Interview mit B-Jugend Coach Jonas Eble:

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Interview mit dem Trainer der SG Ottenheim/Altenheim (2. Tabellenplatz), vor dem Topspiel gegen die SG Kronau/Östringen (1. Tabellenplatz) am 12.03.2011, um 16.30 Uhr in Ottenheim.


Vor diesem Aufeinandertreffen beantwortet SG-Trainer Jonas Eble einige Fragen zur erfolgreichen Saison 2010/2011, die die SG Ottenheim/Altenheim auf jeden Fall mindestens auf dem dritten Tabellenplatz der höchsten deutschen Jugendliga beenden wird, aber auch noch die Chance besitzt, aus eigener Kraft in das Halbfinale um die Süddeutsche Meisterschaft einzuziehen:


Viele fragen sich, warum eine Mannschaft wie die SG Ottenheim/Altenheim mit solch einer Konstanz an der Tabellenspitze stehen kann?

Eble: Erst mal muss ich sagen, dass wir nichts, was bisher passiert ist, als normal empfinden. Wir haben ja nicht zu Beginn der Saison gesagt, hört alle mal her, im März werdet ihr euch alle wundern, da sind wir mit der SG Kronau/Östringen an der Tabellenspitze. Wir wussten, dass wir vor einer schweren Saison stehen, da wir uns nach der vergangenen Saison 2009/2010 für die höchste deutsche Jugendliga qualifiziert hatten und wir keine Ahnung hatten, wie wir diese Aufgabe bewältigen werden. Aber was mir schon sehr lange bewusst war, dass wir mit diesem Team und einem guten Konzept bzw. einer passenden Spielphilosophie sehr viel Spaß haben werden. Zudem waren Charaktere vorhanden, die Handball leben. Die Spieler haben sowohl quantitativ, als auch qualitativ besser trainiert als viele andere Mannschaften, aber grundsätzlich wissen wir alle, dass wir uns gegenseitig auf einander verlassen können – es herrscht „absolutes Vertrauen“.

Was meinen Sie mit „absolutem“ Vertrauen?


Eble: Sie vertrauen mir, was die Spielvorbereitung angeht und ich vertraue ihnen bedingungslos im Spiel. Denn durch mehr Vertrauen gibt es immer mehr Leistung, darüber gibt es aus wissenschaftlicher Sicht keine zwei Meinungen. Dieses Vertrauen war von Beginn an vorhanden und beruht auf Gegenseitigkeit. Meine Spieler wissen, dass ich eine Woche vor dem Spiel zwar gerne Kinofilme schaue, sie wissen aber auch, dass ich mindesten zweimal den Gegner per Video studiere und analysiere, um sie optimal auf das Spiel vorzubereiten. Zu einer Beziehung gehören eben: Respekt, Vertrauen, Emotionen, Aufgabenverteilung und nebenbei noch eine Menge Kommunikation. Bei vier Trainingseinheiten pro Woche plus Spiel oder eine Vorbereitung mit sechs Trainingseinheiten pro Woche ist das enorm wichtig. Eines ist mir wichtig als Trainer: Die Spieler stehen immer im Mittelpunkt. Ich verlange viel von Ihnen und dementsprechend bin ich auch jederzeit für sie da.

Wie sieht der Trainingsalltag unter Ihnen konkret aus?

Eble: Das ist eigentlich ganz banal. Wir trainieren diszipliniert mit gutem Witz und einem guten Humor in der Halle, doch die Zusammenarbeit mit mir besteht nicht nur aus Spaß. Ich fordere sehr viel von meinen Spielern und kann im Training auch sehr laut und sehr deutlich werden, wenn mir etwas missfällt. Demzufolge werde ich sehr ernst. Dazu stelle ich mir das Auftreten meiner Mannschaft wie folgt vor: Mit Leidenschaft, taktischer Disziplin und Laufbereitschaft. Diese Philosophie ziehe ich durch. Des Weiteren schaue ich mir zu Hause Handballspiele an, die außer mir niemanden interessieren, um zu schauen, was machen die eigentlich und vor allem warum. Ich will der beste Trainer sein, der ich sein kann.

Was erwarten Sie von dem Aufeinandertreffen gegen den Tabellenführer SG Kronau/Östringen?

Eble: Wir sind schon relativ gut und die Konkurrenz ist in keinster Weise schlechter. Wir haben das auch jede Woche zu spüren bekommen, wie eng das in dieser Liga ist und dementsprechend ist für uns jeder Erfolg sehr viel Wert, denn wir wissen wie viel harte Arbeit dahintersteckt - das ist Wahnsinn. Wir haben unheimlich viel Konstanz gezeigt und das hat uns diese Punktzahl (28:4) eben eingebracht. Die SG Kronau/Östringen ist mit Sicherheit in der Favoritenrolle und da wir seit Januar in den meisten Spielen auch in dieser Situation waren, wissen wir, wie schwierig es ist aus einer positiven Erwartungshaltung zu überraschen. Wir können befreit aufspielen und genießen es von der Tabellenkonstellation mit Kronau auf Augenhöhe zu sein und werden alles in die Waagschale werfen, um ein erfolgreiches Spiel zu absolvieren.

Wie wichtig ist die Atmosphäre am Samstag in der Halle in Ottenheim?

Eble: Wir, damit meine ich Spieler und Zuschauer, müssen die Halle mit „Leben füllen“. Meine Aufgabe ist, dafür zu sorgen, dass die Jungs rausgehen und mit einer gewissen Lockerheit modernen Tempohandball spielen. Mit dieser Art kann man zwar leider auch Spiele verlieren, aber wir werden es immer wieder versuchen. Das ist die einzige Art, die wir wollen und ich hoffe, dass die Zuschauer die Konstanz von 14. Siegen und dem 2. Tabellenplatz würdigen und die Jungs über die gesamten 50. Spielminuten gegen die SG Kronau/Östringen frenetisch unterstützen werden, denn das haben sich die Jungs verdient.

Wie gehen Sie mit der gestiegenen Erwartungshaltung um?

Eble: Wenn man mehrere Spiele hintereinander verliert, dann entsteht Druck. Wobei Drucksituationen sind überhaupt nicht neu, die gehören dazu, aber ich verspüre lediglich Vorfreude auf die letzten zwei Spiele mit meinen Spielern, die ich über alles schätze. Außerdem beschäftigen wir uns nur mit der Spielvorbereitung und nie mit den Folgen, die ein Spiel haben könnte. Ich habe mir vor der Saison als einziger selbst Druck aufgebaut, weil ich wusste, wo ich mit der Mannschaft hinkommen wollte. Das war aber auch gut, dass ich das nie geäußert habe. Die Spieler dürfen sich nicht an der Erwartungshaltung orientieren, sondern müssen die Tatsache genießen, dass wir selbst, wenn ein Gegner wie der Nachwuchs der Rhein-Neckar-Löwen kommt, nicht chancenlos sind. Das sollte unheimlich beflügeln und so hat beispielsweise auch der TuS N-Lübbecke gegen den Bundesligaspitzenreiter HSV ein beachtliches Unentschieden erreicht.

Wann erlebt die Mannschaft denn den ungeduldigen, impulsiven Jonas Eble, den die Schiedsrichter oft während des Spiels zu spüren bekommen?

Eble: Zum Beispiel, wenn ich erkenne, dass sich eine Unstimmigkeit der Spieler untereinander im Training anbahnt. In vielen Fällen wird dies dadurch beendet, dass ich lauter bin, als jeder andere in der Halle. Da geht es darum, dass ich einen Unterschied im Verhältnis zwischen uns und im Verhältnis zu anderen erwarte. Es kommt auch mal vor, aufgrund einer schlechten Trainingseinheit, dass ich mit „einem Hals“ aus der Halle gehe. Das gibt es, das erfährt die Mannschaft dann aber auch. Das war diese Saison äußerst selten der Fall. Aber grundsätzlich gibt es nicht viele Gründe, rumzubrüllen. Wichtig ist, dass die Besprechung vor dem Spiel und in der Halbzeitpause immer sehr ruhig ablaufen.

Wie haben Sie sich auf dieses Spitzenspiel vorbereitet?

Eble: Wir haben unter der Woche vor allem die Abwehrarbeit aus den letzten Spielen angesprochen. Denn wir haben viele Spiele nicht nur deshalb gewonnen, weil wir offensiv so unglaublich strukturiert agiert haben, sondern weil wir im Deckungsverhalten für den Gegner so unangenehm gespielt haben. Das ist unser Ziel: Den Gegner auf ein bestimmtes Niveau runterzuziehen und ihn dann aus der Halle zu fegen. Das wird morgen schwieriger als in vielen anderen Spielen, aber nicht unmöglich.

Worüber ärgern Sie sich?

Eble: Eine unnötige Niederlage oder wenn Menschen ihr Talent verschwenden. Wenn ich etwas mache dann richtig oder gar nicht.

Schon eine Woche später steht das nächste Topspiel gegen den Tabellendritten VfL Pfullingen (19.03.2011, 16.20 Uhr, Altenheim) an.Wie wichtig wäre ein Sieg oder wie schlecht eine Niederlage für das darauffolgende Heimspiel gegen den VfL Pfullingen?

Eble: Ich bin auch ein wenig Stimmungsbarometer für das Team. Das heißt, es ist das eine, dass wir Spiele verlieren oder gewinnen und das andere ist, wie wir damit umgehen. Für den Umgang damit bin ich als Trainer verantwortlich. Erfahrungsgemäß werfen mich Extreme nicht so leicht aus der Bahn, weder im Positiven noch im Negativen. Aus diesem Grund haben wir gute Chancen, die Ruhe zu bewahren und wenn wir das können, haben wir gute Voraussetzungen, unsere Leistung abzurufen, die so gut ist, dass wir das nächste Spiel wieder gewinnen können.

Was wünschen Sie sich für die letzten zwei Meisterschafsspiele?

Eble: Mir persönlich nichts. Ich wünsche meinen Spieler, dass die schönsten Spiele noch folgen werden, denn wenn diese glücklich sind, bin ich es auch.

Wie wird die Saisonabschlussfeier aussehen?

Eble: Ich bin trotz meiner Emotionalität nicht der Typ, der auf dem Tisch tanzt, aber für solche Aktionen gibt es Spieler in unserem Team, die die nötige Fitness dazu mitbringen und die haben sich solch eine Feier, nach der Saison, mit absoluter Sicherheit auch verdient. Da können wir dann auch mal nicht über Handballspiele sprechen, sondern über Alltagsdinge eben.

Was machen Sie, wenn das letze Spiel, der zeitaufwendigen Oberliga Baden-Württemberg Saison abgepfiffen wird?

Eble: Das weiß ich erst, wenn es soweit ist.